Der Europaradwanderweg R1

Der Europaradwanderweg R1 ist ein 3.500 Kilometer langer Radfernweg, der von Boulogne-sur-Mer in Frankreich bis nach Sankt Petersburg in Russland führt. Wer also eine größere Radtour quer durch Europa plant und dabei auch noch die Schönheit unterschiedlichster Länder bestaunen will, der ist mit dem Europaradwanderweg R1 bestens bedient.
Der 3.500 km lange Radweg ist in seiner Führung so konzipiert, dass er auch für ungeübte Radfahrer und Familien – natürlich im Zuge zahlreicher Pausen und angemessener Etappen – zu bewältigen ist. Vorab sollte man sich natürlich gründlich überlegen, wie viele Kilometer man pro Tag schaffen kann bzw. sich generell zutraut. Radfahrer, die planen, einfach loszufahren und sich nach einer gewissen Zeit „irgendwelche“ Verpflegungsunterkünfte zu suchen, wählen eher die falsche Herangehensweise an eine solche Strecke. Bitte überlegen Sie sich bereits vor Beginn der Tour, nach wie vielen Kilometern Sie eine Pause einlegen bzw. eine Etappe abschließen und infolgedessen eine Übernachtungsmöglichkeit suchen möchten. Hierbei wäre es natürlich vorteilhaft, sich schon vorab mögliche Unterkünfte herauszusuchen, wenn Sie wissen, dass Sie in beispielsweise bei der Station „Den Haag“ in den Niederlanden eine Radpause einlegen möchten.
Angemessene Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten befinden sich nahe am Weg der Radstrecke. Wir empfehlen, keine „billigen“ Unterkünfte / Pensionen aufzusuchen, da Sie dort keine qualitativ hochwertigen Schlafmöglichkeiten vorfinden werden. Besonders im Rahmen eines 3.500 km langen Radwanderweges ist ausreichender Schlaf auf einem guten Schlafsofa extrem wichtig, um die Route am nächsten Tag fit und entspannt fortsetzen zu können. Billige Pensionen sind oft „minderwertig“ mit schlechten Matratzen ausgestattet.
Nach dieser Einführung widmen wir uns der eigentlichen Thematik – dem Europaradwanderweg R1. Wir starten in Frankreich in Boulogne-sur-Mer, näheren uns Brügge in Belgien, fahren durch Den Haag, Utrecht und Arnheim in den Niederlanden und kreuzen bei Vreden die deutsch-niederländische Grenze. Hierbei handelt es sich um drei Länder, welche ein stark ausgebautes Radroutennetz besitzen. Der Radweg ist durch eine beschilderte Streckenführung gekennzeichnet, sodass Sie sich optimal zurechtfinden können. Da jedoch in diesen Ländern sehr viele weitere Radwege gekennzeichnet sind, ist die Mitnahme einer zusätzlichen Karte – wie beispielsweise die bekannten Straßen-Karten von Michelin (1:200.000) oder die IGN-Karten für Fahrradfahrer (1:100.000 Carte de Promenade) – zu empfehlen.
Bitte denken Sie stets daran, kurze Pausen einzulegen. Dies gilt auch für geübte Radfahrer. Besonders der Rücken, die Beine und generell die Gelenke benötigen Zeit, um sich mal kurz entspannen zu können. Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, einen kleinen Sitzsack mitzunehmen. Bewegen Sie sich auf diesem in kreisenden Bewegungen für einige Minuten. Wir empfehlen, dies in Zeitabständen von einigen Stunden kontinuierlich zu wiederholen, um einen Muskelkater und verspannten Rücken vorzubeugen.
Unsere Reise geht weiter: In Deutschland führt die Radtour durch die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin. Gestartet von der niederländischen Grenze durchquert der Europaradwanderweg R1 das Münsterland, führt über den Teutoburger Wald, den Solling, den nördlichen Harzrand, über anhaltisches Gebiet und Brandenburg nach Potsdam, Berlin und weiter durch die Märkische Schweiz sowie das Oderbruch direkt zur polnischen Grenze bei Küstrin.
Angekommen in Polen geht es gut beschildert weiter. Was die Straßenqualität in Polen betrifft, so kann ohne Übertreibung gesagt werden, dass diese mindestens so gut ist wie jene in Österreich und Deutschland – das jedoch bei einer weitaus geringeren Verkehrsdichte.
Von Polen geht es direkt in die baltischen Staaten. In Litauen gibt es seit dem Jahre 2006 den sogenannten „Küstenradweg Litauen“. Dabei handelt es sich um einen separaten, fast durchgängigen Radweg, der jedoch noch nicht als Europaradwanderweg R1 ausgeschildert ist. In Estland sieht die Situation schon wieder ganz anders aus, denn dort ist der Europaradwanderweg R1 genau beschriftet und gekennzeichnet. Für Lettland existiert bist heute nur eine einfache Wegbeschreibung sowie zahlreiche Pläne, um den R1 erfolgreich und gut orientiert meistern zu können. Alles in allem handelt es sich im Rahmen der baltischen Staaten um jene Länder, die auf jeden Fall noch verbesserungswürdig sind.
(Bildquelle / Urheber: Bernd Schade)